Mehr Demokratie durch verständliche Webtexte

Natürlich finden sich auf Webseiten des Bundes und der Kantone viele verständliche Texte. Leider auch viele schwer verständliche. Zu lange Sätze. Zu viele abstrakte Substantive. Zu komplizierte Formulierungen. Zu viele Fachbegriffe. Zu wenig Gliederung. Zu viele Passivkonstruktionen. Zu lange Absätze. Zu viele Nominalgruppen.

Drei Beispielsätze:

«Die strategische Ausrichtung der Schweizer Finanzmarktpolitik beruht darauf, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, die Bekämpfung der Finanzkriminalität und der Anlage unversteuerter Vermögenswerte in der Schweiz zu intensivieren, mit weiteren Ländern internationale Quellensteuerabkommen abzuschliessen und die standardkonforme Amts- und Rechtshilfe rechtlich zu verankern.»

«Die agrarpolitischen Massnahmen sollen der Schweizer Landwirtschaft ermöglichen, mit einer ökonomisch erfolgreichen, ökologisch optimalen und sozial verantwortungsbewussten Nahrungsmittelproduktion die Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten und die Erwartungen der Bevölkerung zu erfüllen.»

«Die in der Abstimmung vom 26. September 2010 vom Volk gutgeheissene Revision sieht sowohl bei den Beiträgen als auch den Leistungen Anpassungen vor: Durch die Erhöhung der Lohnbeiträge und die Einführung eines Solidaritätsprozents für Besserverdienende werden der ALV Mehreinnahmen verschafft ergänzt mit Einsparungen, die u.a. durch eine effizientere Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt und eine engere Verknüpfung der Bezugsdauer an die Beitragszeit erzielt werden.»

Schwer verständliche Texte sperren die Staatsbürger aus, die sich informieren möchten. Warum schalten Amtsstellen Texte auf, die nicht für das Web geeignet sind? Warum muten sie Steuerzahlern und Stimmberechtigten Texte zu, die das Interesse am Thema abtöten? Ist es Gedankenlosigkeit? Gleichgültigkeit? Ungenügende Schreibkompetenz? Zu geringes Gespür für Verständlichkeit? Scheu vor der Vereinfachung? Zeitmangel? Absicht?

Der deutsche Autor und Schreiblehrer E. A. Rauter hat geschrieben: «Unverständlichkeit öffentlicher Rede ist für jeden von uns gefährlich. Wer nicht weiss, aus welchen Gründen die Ereignisse eintreten, die alle angehen, entwickelt keine Lust, in öffentlichen Angelegenheiten mitzureden.»

Schwer verständliche Webtexte von Amtsstellen schaden der Demokratie.

04. September 2014, Blogbeitrag

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