«Gut für die Jungen – Schlecht für die AHV»

Am 24. September entschied sich das Schweizer Stimmvolk gegen die «Rentenreform 2020». Für Jörg Odermatt, CEO des Vorsorgeunternehmens PensExpert, kam das «Nein» nicht überraschend. Eine Reform sei zwar dringend notwendig, die Vorlage sei aber zu kompliziert und wenig transparent gewesen.

Eine strukturelle Anpassung der AHV und BVG ist überfällig, zeigt sich Andreas Blattner, Niederlassungsleiter Basel unseres Kunden PensExpert überzeugt. «Die AHV und die berufliche Vorsorge (BVG) sind nicht nachhaltig finanziert. Ohne Reform der beiden Säulen verschlechtert sich die finanzielle Schieflage weiter.»

Vor allem die demographische Entwicklung stellt die Schweizer Altersvorsorge vor Herausforderungen. Seit der Einführung der AHV im Jahre 1948 hat sich die Restlebenszeit nach der Pensionierung für Männer und Frauen um mehr als 50 % erhöht. Da das Rentenalter aber nicht entsprechend angepasst wurde, beziehen wir immer länger Rente, die von immer weniger Berufstätigen über das Umlageverfahren finanziert werden muss.

Und auch in der zweiten Säule ergeben sich Probleme: das in der zweiten Säule angesparte Vermögen muss für einen längeren Zeitraum reichen und aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfelds kann auf Finanzanlagen nicht mehr die Rendite von früher erwirtschaftet werden.

Die «Altersreform 2020» – ein Kompromisspaket von SP, CVP, BDP, Grünen und Grünliberalen – sollte hier Abhilfe schaffen. Ein Kernpunkt der Vorlage war, dass das Rentenalter für Frauen auf 65 erhöht werden sollte. Zum anderen waren zusätzliche 70 Franken AHV-Rente für Neurentner pro Monat - eine Erhöhung der AHV-Beiträge um 0,3 Prozentpunkte - vorgesehen.

Zu kompliziert, zu wenig transparent

Dass sich das Stimmvolk am 24. September gegen die Vorlage entschied, überrascht Jörg Odermatt, CEO von PensExpert, nicht. «Mit einem Gesamtpaket wollte Bundesrat Alain Berset die erste und die zweite Säule stabilisieren. Die Rentenreform 2020 war aber zu kompliziert und zu wenig transparent für die Bürger. Mit einem Nein an der Urne war deshalb zu rechnen. Für die Jungen ist das eine gute Nachricht. Denn sie und die nachfolgenden Generationen hätten die Kosten für die Reform tragen müssen.»

Trotz Ablehnung der Vorlage, rechnet Odermatt damit, dass das Volk offen für dringend notwenige Reformen wäre. Priorität hätte hierbei sicherlich die AHV. «Das AHV-Rentenalter für Frauen muss in einer ersten Phase auf Alter 65 angehoben werden und langfristig ist eine generelle Erhöhung des AHV-Alters anzustreben. Mit dem Nein bleibt auch der Umwandlungssatz im Obligatorium der 2. Säule weiterhin bei 6,8% und damit eindeutig zu hoch. Entsprechend wird die Mehrheit der Pensionskassen das überobligatorische Altersguthaben weiterhin als Quersubventionierungstopf einsetzen. Diese Umverteilung ist systemfremd und für die Versicherten nicht transparent. Aber dieser Umstand wird vermutlich noch länger Bestand halten; denn an der Urne hätte eine Umwandlungssatzreduktion kaum eine Chance.»

04. Oktober 2017, Johanna Doeblin - News

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