Gemeinden beschreiten neue Wege im Dialog mit der Bevölkerung

Immer mehr Gemeinden nutzen den Einbezug der Bevölkerung in Gemeindegeschäfte als Chance. Findet dieser Einbezug heute noch vorwiegend über den persönlichen Kontakt statt, z.B. in Zukunftskonferenzen, geht der Trend eindeutig in Richtung digitale Information und Online-Dialog. Während den Gemeinden für die Information der Bevölkerung unterschiedliche Hilfsmittel zur Verfügung stehen, gestaltet sich die Umsetzung des digitalen Dialogs schwieriger.


Das digitale Zeitalter macht auch vor der öffentlichen Hand nicht halt. Die Steuererklärung erledigt man via Webapplikation, das Fahrrad meldet man mit ein paar Klicks als gestohlen und die SBB Gemeinde-Tageskarte lässt sich einfach übers Mobile bestellen.

Mit der Digitalisierung findet in den Gemeinden ein Paradigmenwechsel statt. Nicht nur in Bezug auf die Verwaltungstätigkeit, sondern auch im Austausch mit der Bevölkerung. Digitale Hilfsmittel ermöglichen einen stärkeren Dialog zwischen der Gemeinde - egal ob Gemeinderat oder Gemeindeverwaltung - und den Bürgerinnen und Bürgern. Kamen früher Interaktionen zwischen der Gemeinde und der Bevölkerung vor allem auf der Gemeindeverwaltung und den halbjährlichen Gemeindeversammlungen zustande, sind heute viele Gemeinden bemüht, den Kontakt auch auf anderem Weg zu suchen.


Mehr Austausch in den Gemeinden

Immer mehr Gemeinden organisieren neben Gemeindeversammlungen weitere Anlässe, um Gemeindeangelegenheiten mit ihrer Bevölkerung zu diskutieren. Beispielsweise sogenannte Zukunftskonferenzen, bei denen der Gemeinderat gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern die Gemeindestrategie diskutiert und Prioritäten setzt. Vermehrt werden auch für einzelne Geschäfte und Projekte wie z.B. die Neugestaltung des Dorfplatzes oder die Ortsplanungsrevision Anspruchsgruppen oder gar die gesamte Bevölkerung miteinbezogen.


Dank Dialog langfristig profitieren

Ein gelungener Dialog mit der Bevölkerung bringt Gemeinden einen grossen Nutzen. Nicht nur profitieren sie von frischen Ideen aus der Bevölkerung, sie können auch den Puls der Bürgerinnen und Bürger zu einer bestimmten Vorlage fühlen, frühzeitig darauf reagieren und so bestenfalls eine Niederlage an der Urne vermeiden. Gerade im Fall von Bauvorhaben können Mitwirkungsprojekte unter Umständen langfristig enorm Kosten sparen. Gleichzeitig erfährt die Bevölkerung durch den Dialog mehr Wertschätzung, was sich positiv auf die Identifikation mit der Gemeinde auswirkt. Das ist eine Investition in die Zukunft. Denn wer sich mit einer Gemeinde identifiziert, ist auch eher bereit, sich für diese zu engagieren. So stehen die Chancen gut, dass sich für künftige Gemeinderatswahlen neue Gesichter aufstellen lassen.


Neue Wege, gleiches Ziel

Vor allem Städte setzen zudem vermehrt auf den digitalen Kontakt mit der Bevölkerung. Es sei hier z.B. der Schadensmelder genannt, der bereits in verschiedenen Schweizer Städten wie Zürich, Winterthur und St. Gallen im Einsatz ist. Der Schadensmelder macht es möglich, die Gemeinde mittels Geotracking auf eine kaputte Strassenlampe oder auf überfüllte Abfalleimer hinzuweisen. Ein anderes Beispiel ist die Plattform 2324.ch. Dieser Online-Dorfplatz legt den Fokus auf ultralokalen News, z.B. aus der Gemeindeverwaltung oder aus Vereinen, die in den Tageszeitungen keine Beachtung finden. 2324.ch verbindet so Gemeinde, Bevölkerung sowie Vereine und eröffnet neue Wege der Information der Bevölkerung. Eigeninitiative hat die Gemeinde Moosseedorf im Kanton Bern ergriffen. Sie hat eine Gemeinde-App lanciert. Auch diese hat neben Serviceleistungen wie dem Verkauf der SBB-Gemeindetageskarte das Ziel, die Bürgerinnen und Bürger zeitnah zu informieren. Über die Temperatur des Moossees und Parkgebühren, via Pushmeldung aber z.B. auch über die Resultate der Abstimmungen und Wahlen.

Information ist allerdings erst eine Vorstufe des Dialogs und hat nicht den gleichen, oben aufgezeigten Effekt. Wollen die Gemeinden die Chance der Digitalisierung nutzen, wäre es nur konsequent, in einem nächsten Schritt nicht nur die Information, sondern auch den Dialog digital zu gestalten. Sei das um Ideen aus der Bevölkerung abzuholen oder Fragen zu einer Abstimmungsvorlage zu klären. Die technischen Voraussetzungen sind vorhanden, werden aber noch nicht genutzt. Auch weil der Initialaufwand für eine digitale Plattform enorm ist. Beim Schweizerischen Gemeindeverband sind diesbezüglich Überlegungen im Gange. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Gemeinden auch im Dialog mit der Bevölkerung den digitalen Weg beschreiten.

21. November 2017, Judith Wenger - Blogbeitrag

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