Neuer Schwung für den Schweizer Wissenschaftspreis

Die Marcel Benoist Stiftung vergibt seit 1920 jährlich den Schweizer Wissenschaftspreis. Die Auszeichnung blickt auf eine langjährige Tradition zurück. 2015 beschloss der Stiftungsrat, den «Schweizer Nobelpreis» neu auszurichten und auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Was hinter der Neuausrichtung steht und welche Veränderungen sie mit sich bringt, erläutert Dani Duttweiler, Sekretär der Marcel Benoist Stiftung.

  
  
Herr Duttweiler, was wird mit dem Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist bezweckt?

Mit dem Preis soll jedes Jahr die beste Forschungsarbeit zum Wohle des menschlichen Lebens ausgezeichnet werden. So hat es der Stifter des Preises, Marcel Benoist, zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seinem Testament festgelegt. Mit dem Preis will die Stiftung einen Beitrag zur Förderung der Spitzenforschung in der Schweiz und vor allem deren öffentlichen Wahrnehmung leisten.

 
Beschränkt sich Spitzenforschung auf naturwissenschaftlichen Disziplinen?

Nein, der Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist richtet sich an sämtliche Disziplinen. In der Vergangenheit waren die Preisträgerinnen und Preisträger vor allem Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Mit der Neuausrichtung führt der Stiftungsrat eine Rotation der Disziplinen ein. Dadurch sollen die unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen besser berücksichtigt werden.

 
Der Marcel-Benoist-Preis wird auch der «Schweizer Nobelpreis» genannt. Zu Recht?

Von den bald hundert Marcel-Benoist-Preisträgerinnen und -Preisträger erhielten später zehn den Nobelpreis. Man sagt, der Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist sei die Vorstufe zum Nobelpreis. Er würdigt Forscherinnen und Forscher, die bereits Herausragendes geleistet und gleichzeitig noch Potenzial haben. Der Nobelpreis zeichnet häufig das Lebenswerk eines Forschers oder einer Forscherin aus.

 
Trotz dieser Tradition und Bedeutung hat der Stiftungsrat 2015 beschlossen, die Stiftung und den Preis neu auszurichten. Warum?

Den Preis gibt es seit bald hundert Jahren. Mit der Neuausrichtung will der Stiftungsrat unter Leitung von Bundesrat Johann N. Schneider-Amman den Preis in der Öffentlichkeit bekannter machen. Zudem schrumpfte in den vergangenen Jahren das Stiftungsvermögen. Der Stiftungsrat hat sich 2015 entschieden, den Preis auf eine nachhaltige Basis zu stellen und wieder neuen Schwung reinzubringen.

 
Hat sich die Wahrnehmung des Preises durch die Neuausrichtung bereits verändert? 

Früher hat die Stiftung den Preis jeweils an der Heimuniversität des Preisträgers übergeben. Seit diesem Jahr erfolgt die Preisverleihung zentral in Bern. Das gibt der Stiftung die Möglichkeit, den Preis gezielter zu bewerben, auch national. Wir haben dieses Jahr eine Medienkonferenz abgehalten, die Webseite optimiert und ein Video mit dem Preisträger gedreht. Die nationale Medienresonanz war deutlich grösser als in den vergangenen Jahren. Die Neuausrichtung ist ein Prozess, der Zeit braucht.

 
Um das Stiftungsvermögen zu erhöhen, organisierte der Stiftungsrat ein Fundraising. War es schwierig, Donatorinnen und Donatoren zu finden?

Der Stiftung gelang es, bis Ende Oktober 2017 etwas über 10 Millionen Franken von privater Seite einzuwerben. Es ist sehr erfreulich, dass die Idee eines Schweizer Wissenschaftspreises auch heute auf offene Türen und Wohlwollen stösst. Damals wie heute wird erkannt, dass Bildung und Forschung wesentliche Voraussetzungen sind für Arbeit und Wohlstand in unserem Land. Das Fundraising wird in den nächsten Monaten weitergeführt, so dass ausreichend Mittel für die Zukunft bereitstehen.

 
Was motiviert die Donatorinnen und Donatoren zu ihrem Engagement?

Es sind Persönlichkeiten, die ein Interesse haben an einem starken Forschungsplatz Schweiz. Sie sind überzeugt, dass Bildung, Forschung und Innovation ein rohstoffarmes Land wie die Schweiz voranbringen. Das sehen wir in unserem Bundesstaat seit 150 Jahren bestätigt.

 
Was ändert sich für die Preisträgerinnen und Preisträger?

Einerseits wurde das Preisgeld von 50‘000 auf 250‘000 Franken erhöht. Andererseits profitieren sie - wie auch der Forschungsstandort Schweiz als Ganzes - von der Arbeit am Renommee des Preises. Schliesslich wird sich das Nominierungs- und Wahlverfahren verändern. Der Stiftungsrat hat die Wahl der Preisträgerin oder des Preisträgers dem Schweizerischen Nationalfonds übertragen. Dieser sorgt für eine breit abgestützte Wahl nach Exzellenz-Kriterien, berücksichtigt aufgrund eines Rotationsprinzips die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen und wird mittels eines offenen Nominationsverfahrens die Forschungsgemeinschaft Schweiz zur Unterbreitung von Vorschlägen einladen.

 
Aber der Bundesrat bleibt Stiftungsratspräsident?

Gemäss Stiftungsurkunde präsidiert das für Forschung zuständige Bundesratsmitglied die Marcel Benoist Stiftung. Seit 2013 ist dies der Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann. Damit wird das Interesse der öffentlichen Hand an diesem Preis betont.

 
Bis zum Hundertjahr-Jubiläum 2020 möchte die Stiftung die Vision eines Swiss Science Day umsetzen. Können Sie die Idee ausführen?

Mit dem Swiss Science Day will der Stiftungsrat die Schweizer Forschung der breiten Öffentlichkeit bekanntmachen. In einem ersten Programmteil sollen Nachwuchsforschende die Gelegenheit erhalten, ihre Forschung zu präsentieren. Im zweiten Teil des Tages steht dann die Preisträgerin oder der Preisträger im Zentrum, als festlicher Abschluss des Swiss Science Day.

 
Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Welche Preisträgerin oder welcher Preisträger des Schweizer Wissenschaftspreises wird als nächstes mit dem Nobelpreis gewürdigt?

Diese Antwort überlasse ich gerne anderen. Auf der Internet-Seite der Marcel Benoist Stiftung finden sich sämtliche Preisträger seit 1920. Ein Who is who der Schweizer Spitzenforschung. Allerdings können wir uns in unserem Land in der glücklichen Lage schätzen, dass es nebst den Benoist-Preisträgerinnen und -trägern verschiedenste weitere Forscherinnen und Forscher gibt, die auf Weltniveau forschen.
 

Communicators hat die diesjährige Verleihung des Marcel-Benoist-Preises kommunikativ unterstützt. Das Interview mit Dani Duttweiler hat Judith Wenger geführt.

12. Dezember 2017, Judith Wenger - Blogbeitrag

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