Frauen in der Finanzbranche

In den Führungsetagen der Schweizer Finanzunternehmen sind Frauen immer noch unterproportional vertreten. In den letzten Jahren zeigte sich zwar ein Wandel. So bieten viele Grossbanken inzwischen gezielte Förderungen weiblicher Führungskräfte. Und es gibt nun auch für Frauen zahlreiche Möglichkeiten, sich aktiv zu vernetzen und zu positionieren. Der grundsätzliche Befund aber hat sich noch nicht einschneidend geändert: Der Schweizer Finanzplatz ist in den oberen Etagen eine fast reine Männerdomäne. 

Dass es Frauen in Finanzunternehmen selten nach oben und noch seltener nach ganz oben schaffen, ist zwar ein internationales Phänomen. In der Schweiz ist dieses Phänomen aber besonders deutlich ausgeprägt: Laut einer Studie von Oliver Wyman bewegt sich die Schweiz in Bezug auf den weiblichen Anteil an Führungskräften im Finanzsektor auf „Entwicklungslandniveau“.

Es sei dahingestellt, ob tatsächlich mit mehr Frauen in den Führungsgremien die Finanzkrise nicht stattgefunden hätte, wie vielfach geschrieben wurde. Wahr ist aber, dass es hierzulande von den gut ausgebildeten Finanzfrauen mehr in die oberen Führungsebenen schaffen sollten. Das haben auch die lokalen Grossbanken verstanden und spezielle Diversity-Programme gestartet. 

 

Karriere oder Familie?

Es ist nun nicht (mehr) so, dass sich Frauen in ihrer Ausbildung weniger für Finanzen interessierten. Das belegt schon der Blick auf die geschlechteranteilig besetzten Hörsäle der Hochschulen. Auch auf Junior-Ebene finden sich in Finanzinstituten kaum weniger Frauen als Männer. Laut der Oliver Wyman-Studie klappt auch noch der Schritt zum mittleren Management gut. Nur gelingt den Frauen der nächste Karriereschritt in der Finanzwirtschaft noch recht selten, vor allem im Vergleich zu anderen Industriezweigen.

Eine naheliegende Erklärung ist, dass dieser Karriereschritt sich mit dem Familiengründungsalter kreuzt. Und die Schweiz ist im internationalen Vergleich nicht wirklich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf berühmt. Flexiblere Arbeitszeiten und der Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten würden helfen. Das zeigt auch ein Blick auf die familienfreundlichen Verhältnisse in Skandinavien, wo deutlich mehr Frauen in der Finanzhierarchie aufsteigen.

  
Frauennetzwerke

Nützlich ist für aufstiegswillige Frauen auch die Bereitschaft zum Networken.

In den letzten Jahren haben sich Frauennetzwerke in der Finanzindustrie gebildet, die einen regelmässigen Austausch zu Aufstiegschancen, Qualifikationsoptionen und Job-Angebote pflegen. Ein gutes Beispiel sind die Fondsfrauen, die sehr erfolgreich zu Informations- und Networking-Veranstaltungen in der DACH-Region einladen und Mentoren-Programme auflegen.

Daneben bietet das Swiss Finance Institute Women Luncheons mit Fachvorträgen und Networking-Gelegenheiten an. Bereits seit zwanzig Jahren aktiv sind die Wirtschaftsfrauen Schweiz, die mehr als 600 Kaderfrauen und Unternehmerinnen als Mitglieder zählen. Im Mittelpunkt der Treffen stehen Information, Förderung und Unterstützung sowie die Vernetzung mit erfahrenen weiblichen Führungskräften. Die „Wirtschaftsfrauen“ wollen „Flagge zeigen für weibliche Karrierechancen und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“.


Anstrengend ist der Aufstieg allemal…

Es ist nun mal so, dass auch vielen Männern der Aufstieg in Führungspositionen der Finanzwirtschaft nicht automatisch gelingt. Die Pyramide wird nun mal nach oben schmaler: Es gibt in der Regel deutlich mehr interessierte und talentierte Bewerber als freie Plätze im oberen Finanzmanagement. Alle Förderung und alles Networken kann den Frauen daher nur ein „level playing field“ verschaffen: Einen Ausgleich für ungleiche Startbedingungen und geschlechtsspezifische Hürden. Nach oben durchkämpfen muss sich jede Frau dann schon selbst – wie dies ihre männlichen Kollegen auch tun.

15. Dezember 2017, Johanna Doeblin - Blogbeitrag

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