Wettbewerbsvorteil für Stellensuchende

Per 1. Juli 2018 hat die Schweiz die "Stellenmeldepflicht" eingeführt. Damit müssen alle offenen Stellen in Berufsarten mit hoher Arbeitslosigkeit dem RAV gemeldet werden. Was einfach klingt, verändert viel und wurde von den beteiligten Stellen seit Monaten minutiös geplant und vorbereitet. Die Kampagnenspezialisten von Communicators haben das SECO im Prozess unterstützt, um die Wirtschaft gezielt über die neue Regelung zu informieren und um die Kommunikation rund um die Umsetzung reibungslos zu gestalten.

Am Anfang war die Abstimmung. Mit der Annahme der Initiative "Gegen Masseneinwanderung" begann die Suche nach einer geeigneten Umsetzung. Am Ende beschloss das Parlament die sogenannte "Stellenmeldepflicht". In Berufsarten mit hoher Arbeitslosigkeit sollen Arbeitgeber offene Stellen dem RAV melden müssen, bevor sie diese öffentlich ausschreiben dürfen. Als Schwellenwert gilt eine Arbeitslosenquote von 8 Prozent, die ab 2020 auf 5 Prozent gesenkt wird. Damit soll Personen, die beim RAV als stellensuchend gemeldet sind, ein Wettbewerbsvorteil verschafft werden, nämlich ein Informationsvorsprung von fünf Tagen. Einfach, könnte man meinen. Dennoch laufen die Vorbereitungen seit Monaten auf Hochtouren.

Nutzen der digitalen Möglichkeiten

Gegner führen ins Feld, dass die Stellenmeldepflicht zusätzliche Bürokratie bedeutet. Ganz von der Hand zu weisen, ist dieser Vorwurf nicht - aber: Das SECO hat aber Massnahmen ergriffen, um den zusätzlichen Aufwand so gering wie möglich zu halten. Mit "arbeit.swiss" wurde eine zentrale digitale Informations- und Servicedrehscheibe rund um das Thema Arbeit geschaffen. Sie bildet auch für die Stellenmeldepflicht das zentrale Instrument. Auf "arbeit.swiss" finden sich nicht nur alle Information; genauso kann über ein simples Abfrage-Tool in Sekundenschnelle geprüft werden, ob eine Stelle meldepflichtig ist oder eben nicht. Und: Auch offene Stellen können einfach und schnell online gemeldet und Kandidatinnen und Kandidaten für die Besetzung einer Vakanz kontaktiert werden. Die Drehscheibe ist Teil des Modernisierungsschubs, mit dem die öffentliche Hand beim Thema Arbeit die digitalen Möglichkeiten nutzt und den Bedürfnissen ihrer Anspruchsgruppen nachkommt. Über die nächsten Jahre sollen immer mehr Angebote über das Portal abgewickelt werden können.

Neue Rolle des RAV

Die Stellenmeldepflicht bedeutet nicht nur für betroffene Unternehmen eine Veränderung: Allen voran müssen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der RAV mit den Neuerungen auseinandersetzen. Sie sind diejenigen, die Stellensuchende und Stellenanbietende betreuen und beraten sowie zwischen beiden nun auch verstärkt eine Drehscheibenfunktion übernehmen. Dies verlangt eine noch stärker verankerte Dienstleistungsbereitschaft. Die RAV werden entsprechend den Kontakt zu den Arbeitgebern intensivieren müssen - ein Prozess, der mit der "Arbeitgeberstrategie" vor vier Jahren angestossen worden ist. Für viele Kantone folgt hiermit eine Bestätigung für ihren bisherigen eingeschlagenen Weg. Für einzelne RAV bedeutet dies eine veränderte Positionierung. Für das RAV an sich ist es gleichzeitig aber auch eine grosse Chance, bei der sich die RAV als Dienstleister gegenüber Arbeitgebern und Arbeitnehmern profilieren können.
Herausfordernd sind für die RAV auch die nackten Zahlen: Heute gehen pro Jahr rund 25'000 Stellenmeldungen ein. Mit der Meldepflicht werden es voraussichtlich bis zu 80'000 sein, mit der Senkung des Schwellenwerts ab 2020 sogar bis zu 200'000.
Das SECO ist in den letzten zwölf Monaten quer durch die Schweiz getourt, um die föderalistisch organisierten RAV hinsichtlich der Stellenmeldepflicht persönlich abzuholen, Wissen zu vermitteln, Bedürfnisse abzuklären und Hilfestellung anzubieten - damit die Stellenmeldepflicht zielführend umgesetzt werden kann.

Zielgerichtete Kommunikationsoffensive

Schliesslich kommen die Unternehmen ins Spiel, die neu in die Pflicht genommen werden. Grosse Unternehmen mit professionellen HR-Abteilungen sind in der Regel bestens informiert und wissen über die Stellenmeldepflicht Bescheid, auch dank der engen Zusammenarbeit mit den verschiedenen Verbänden.
Die Schwierigkeit aber liegt bei den Tausenden von KMU, die nicht die Kapazität haben, sich aktiv über alle Neuerungen im Personalwesen zu informieren. Sie galt es zu erreichen, zielgenau anzusprechen, auf die Meldepflicht aufmerksam zu machen, einfach und verständlich zu informieren und die richtigen Handlungsanweisungen zu geben. Für diese Kommunikationsoffensive holte sich das SECO Unterstützung von den Kampagnenspezialisten von Communicators - wegen ihrer strategischen und konzeptionellen Fähigkeiten, ihrer grossen Kampagnenerfahrung und ihrer engen Vernetzung mit der KMU-Landschaft.

Erstes Fazit im Herbst

Die Vorbereitungsarbeiten haben sich gelohnt. Soweit ersichtlich ist die Stellenmeldepflicht gut angelaufen. Ein erstes Fazit ist im Herbst zu erwarten. Dieses wird Gelegenheit bieten, die Information der Öffentlichkeit gegebenenfalls anzupassen - damit die Stellenmeldepflicht möglichst bald für alle ganz selbstverständlich dazu gehört.

06. Juli 2018, Maurice Desiderato - Blogbeitrag

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