Einschätzungen zum «Flash-Crash»

Nach einer nicht enden wollenden Aktienrallye überraschte der «Flash-Crash» Ende Januar die Anleger. Marktbeobachter waren unschlüssig, ob es sich nur um einen einmaligen Kursrückschlag handelte oder um den Anfang einer längeren Abwärtsperiode. Unsere Finanzkunden waren hier gefordert. Schnelle Analysen in mediengerechter Form aufbereitet waren gefragt, denn erfahrungsgemäss finden in der Berichterstattung vor allem Meinungen Eingang, die zeitnah, aber fundiert aufbereitet werden.

Anfang Februar trauten die US-Marktbeobachter kaum ihren Augen. Innerhalb von zwei Tagen verloren sowohl der S&P 500 als auch der Dow Jones ihre gesamten Gewinne im gut gestarteten Jahr 2018. Die anderen internationalen Börsen beteiligten sich ohne Zögern am Sturzflug. So verlor der SMI im Zeitraum vom 23. Januar bis 9. Februar knapp 10 Prozent.

Kurskorrektur oder Finanzkrise 2.0?

Die Finanzkunden von Communicators, deren Analysen wir den Medien zukommen liessen, argumentierten fast einstimmig, dass es sich bei den Turbulenzen um eine überfällige Kurskorrektur handelte. Schliesslich hatten die Märkte im Vorfeld einen langen Aufwärtstrend hinter sich.

«Der Kursrückgang von 7,8 Prozent im S&P 500 ist im historischen Vergleich betrachtet keineswegs ungewöhnlich. Ungewöhnlich war dagegen der sehr geringe maximale Kursrückschlag im Jahr 2017. Auch in den Jahren unmittelbar davor ging es vergleichsweise ruhig zu», erklärten die Experten der Deutschen AM. Experten von LGT meinten, die «kalte Dusche» würde helfen, Erwartungen abzukühlen und wieder vernünftigere Bewertungen herzustellen.

«Viele Investoren hatten begonnen, perfekt bewertete Märkte als den einzig wahrscheinlichen Weg nach vorn zu betrachten und vergassen dabei viele der Risiken und strukturellen Hindernisse für dieses Szenario« erklärte Nick Clay, Newton (BNY Mellon IM).

Stand jetzt sollten unsere Kunden recht behalten. Tatsächlich ging der Sturz nicht unkontrolliert weiter: seit dem 9. Februar bewegen sich die Börsen wieder seitwärts. 

Erwartet, aber trotzdem überrumpelt

Man kann also sagen, dass die Kurskorrektur an sich erwartet wurde – einfach der Zeitpunkt und das Ausmass überrumpelte die Anleger. Als Auslöser hat es gemäss der Schwyzer Kantonalbank dann auch gar nicht viel gebraucht: «Wegen der hohen Bewertungen, des weitverbreiteten Optimismus sowie des vorangegangenen Kursanstiegs waren die Aktienmärkte anfällig für eine Korrektur. Der Tropfen, der das Fass schliesslich zum Überlaufen gebracht hat, war der deutliche Anstieg der Langfristzinsen.»

Das Geschehen an den Börsen wird in den nächsten Wochen und Monaten von einer Reihe externer Faktoren beeinflusst sein: Dazu zählt eine mögliche schärfere Gangart der Geldpolitik der EZB ebenso wie die Bedrohung des Welthandels durch protektionistische Massnahmen. Thomas Heller, CIO der Schwyzer Kantonalbank, weist zudem auf die hohe Verschuldung hin: «In den USA - dem grössten Schuldner der Welt - erhöhen die Einnahmeausfälle (Steuerreform) und mögliche Mehrausgaben (Infrastruktur, Aufrüstung, Mauerbau) den Kapitalbedarf des Staates». Gleichzeitig fehle mit der Fed ein wichtiger Käufer von US-Staatsanleihen. «Mehr Angebot, weniger Nachfrage - für ein neues Gleichgewicht müssen die Zinsen steigen. Und das ist genau, was sich die hochverschuldete Welt nicht leisten kann: einen (zu) raschen und (zu) starken Anstieg der Zinsen», schliesst Heller.

Die Anleger werden in jedem Fall gute Nerven brauchen. Die Zeiten linearen Kurswachstums dürften vorüber sein.

29. März 2018, Johanna Doeblin - Blogbeitrag

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