«Ein knalliger Titel genügt oft»

Ein Interview mit René Maier, Chefredaktor investrends.ch über den Relaunch der Finanzplattform.

René Maier, Chefredaktor investrends.ch, ist hochzufrieden mit dem Relaunch im Frühjahr und der Entwicklung der Leserzahlen. Die Plattform wird sich thematisch noch stärker auf Vorsorge- und Digitalisierungsthemen konzentrieren - immer einer qualitativ hochstehenden Berichterstattung verpflichtet.

Herr Maier, aus fondstrends.ch wurde investrends.ch – was war der Grund für die Neubenennung und den Relaunch des Finanzportals?

René Maier: Wie so oft gab die Technologie den Ausschlag für den Wandel. Weil das Content Management System, kurz CMS, in die Jahre gekommen war und ersetzt werden musste, entschieden wir uns diese Umstellung für einen umfassenden Relaunch zu nutzen. Im gleichen Zug kam dann auch die Idee auf, mit der Rundum-Erneuerung des Portals den Namen auf investrends.ch zu wechseln. Damit soll auch signalisiert werden, dass investrends.ch ein grösseres thematisches Spektrum der Finanzindustrie abdecken will als fondstrends.ch zuvor.

Und wie sind die ersten Reaktionen der Leser auf den neuen Auftritt?

Ich persönlich habe ausschliesslich positive Reaktionen erhalten. Den Leserinnen und Leser gefällt das übersichtliche, klar strukturierte Design der Website. Einigen ist auch aufgefallen, dass mehr Artikel als früher aufgeschaltet werden.

Was gefällt Ihnen persönlich am Online-Auftritt besonders gut?
Mir gefällt einerseits die Struktur und die Übersichtlichkeit des Designs, inklusive der guten Lesbarkeit auf allen Geräten - vom PC bis hin zum Smartphone. Inhaltlich finde ich den Themenmix aus teils exklusiven Artikeln unserer Partner und interessanten, aktuellen Nachrichten aus der Finanzwelt gelungen.

Gab es auch kritische Stimmen?

Auf einem Online-Informationsportal gibt es immer Dinge, die man verbessern kann. Ich bin offen für diese Kritik. Und online bewegt sich alles viel schneller – die meisten Beiträge haben nur etwa zwei Tage auf der Frontpage und im Newsletter eine hohe Visibilität, anschliessend «verschwinden» sie in einer Rubrik und werden nur noch gezielt aufgerufen. Das ist ein grosser Unterschied zu einem Printprodukt, das quasi unveränderlich da ist.

Sie waren ehemals Chefredaktor der «Schweizer Bank», einem Printmagazin. Inwiefern unterscheidet sich Ihre heutige Aufgabe von der damaligen Funktion?
Ich war klassischer Blattmacher eines Monatsmagazins, der das Blatt inhaltlich und visuell gemeinsam mit der Redaktion, den Fotografen und der Kreativabteilung konzipierte. Diverse Artikel – insbesondere die Titelgeschichte – habe ich oft selber verfasst. Ein ebenso wichtiger Bestandteil der Arbeit war der Besuch von Anlässen und der Kontakt mit Experten aus der Finanzbranche.
Bei investrends.ch ist das Tempo höher, wir publizieren täglich mindestens drei neue Beiträge. Deshalb bin ich bin intensiv mit der Aufbereitung von Artikeln und der Kuratierung des Internetauftritts beschäftigt. Und neu zählt auch die Vermarktung zu meinen Aufgaben. Es ist spannend, direkt Einfluss auf die Kommerzialisierung nehmen zu können.

In der digitalen Welt ist alles messbar. Hat das Leserverhalten Einfluss auf die Themensetzung von investrends.ch?
Investrends.ch befindet sich noch in der Anfangsphase, der Juni ist jetzt der dritte Monat seit dem Relaunch. Bisher ging es vor allem darum, die Nutzerzahlen zu steigern…

…Wie gelingt das?
Dank mehr Artikeln, die täglich auf investrends.ch publiziert werden und dem nun zweimal statt nur einmal pro Woche erscheinenden Newsletter.

Kommen wir auf das Leserverhalten zurück.
So viel ist klar: Die Themenwahl muss sich eng an den Interessen der Leser orientieren. Als langjähriger Journalist weiss ich allerdings auch, dass es oft gar nicht so sehr um das Thema im Allgemeinen geht, ob die User in einen Artikel einsteigen. Ein knalliger Titel genügt oft. Das ist nicht unsere Strategie. Wir sind ein Portal für die Finanzbranche und keine Boulevard-Seite. Leser mit falschen Versprechungen auf Artikel zu locken ist nicht nachhaltig, sondern verärgert die Nutzer nur. Um unseren Lesern möglichst das zu bieten, was sie interessiert, werden wir künftig noch häufiger auf Auswertungen des Leserverhaltens zurückgreifen.

Investrends.ch berichtet umfassend über aktuelle Entwicklungen in der Finanzwelt – welche Inhalte suchen die Leser vor allem auf investrends.ch?
Im Juni war der meistgelesene Artikel ein Beitrag zur PK-Studie von Swisscanto. Ebenfalls weit vorne rangiert ein Artikel zu einer Studie über nachhaltige Anlagen in der Schweiz. Die Themen Vorsorge und ESG liegen generell im Trend. Aber auch Artikel über ETF und Digitalisierung werden viel beachtet – und selbstverständlich auch Personenmeldungen.

Welche Bereiche der Berichterstattung wollen Sie künftig akzentuieren?
Wie erwähnt ist Vorsorge ein Thema, das auch aus der Sicht der Vermögensverwalter und Banken eine immer wichtigere Rolle spielt. Zudem sollen Fintechs in der Berichterstattung mehr Gewicht erhalten. Den Kern werden aber weiterhin Investmentthemen bilden.

01. Juli 2019, Roland Cecchetto - Blogbeitrag

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