Entschlüsselung der Blockchain

Blockchain ist zwar in aller Munde, wird aber oft missverstanden. Communicators liess sich von einem Experten thematisch auf Vordermann bringen.

Im Zuge der Digitalisierung werden zahlreiche Begriffe in öffentlichen Konversationen herumgeworfen, die vielen ein Fremdwort sind. Ein solcher Begriff ist die Blockchain, die vermeintlich in Zukunft alle Branchen umwälzen soll. Ihr Disruptionspotenzial wird mit der des Internets verglichen. Communicators liess sich Ende Oktober am agenturinternen Weiterbildungstag von Prof. Dr. Grivas von der Hochschule Luzern in dieser Thematik auf Vordermann bringen. Dabei zeigte sich als Essenz der Blockchain nichts weniger als die Demokratisierung des Intermediärs.

Stark vereinfacht ausgedrückt ist eine Blockchain ein Kontobuch, wo Transaktionen notiert werden. Speziell wird das Kontobuch nicht an einem einzigen Ort abgelegt, sondern auf den Zugangsgeräten (PCs, Mobiltelefone) aller an der Blockchain angeschlossenen Teilnehmer abgespeichert. So haben alle Beteiligte zu jeder Zeit Sicht auf vorangegangene Transaktionen. Eine neue Transaktion wird als ein neuer Block in einer Kette (Chain) von solchen Blocks gespeichert. Dabei werden nicht die beteiligten Parteien registriert, sondern nur die Transaktion selber. 

Vertrauenssicherheit begründet in der technischen Natur

Anhand der Hash-Funktion, einer kryptographischen Methode, werden die Transaktion innerhalb des Blocks und alle Blocks in der Blockchain verschlüsselt. Da vorangegangene Transaktionen/Blocks als Input der Hash-Funktion dienen, sind Modifikationen an gültigen Transaktionen im Nachhinein nicht mehr möglich, ohne die anderen Teilnehmer zu alarmieren. Damit eine neue Transaktion (Block) der Kette angehängt und damit gültig wird, muss sie von allen Teilnehmern authentifiziert werden. Daraus resultiert eine Fälschungssicherheit. Zudem gibt es in einer Blockchain keine Löschfunktion; alle Blöcke werden auf ewig gespeichert. Zwangsläufig wird der Speicherbedarf eine Herausforderung für die Technologie darstellen, der aber bewältigt werden kann, sofern die Speicherkapazitäten in gewohnter Manier weiterwachsen. 

Verteiltes System als Fundament

Eine Blockchain fusst auf ein verteiltes System, das heisst alle Mitglieder sind auf einer hierarchisch gleichgestellten Art verbunden. Das Gegenteil ist ein zentrales System, wo Mitglieder über eine vertrauenswürdige dritte Partei (Trusted Third Party: TTP) miteinander verbunden sind. Ein Beispiel für eine TTP sind Banken, die als Finanzintermediär zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern vermitteln. Dabei sind die Banken in dieser Verbindung den anderen Parteien hierarchisch höhergestellt und sorgen für die korrekte Abhandlung dieser Transaktion. 

Entwicklung von holistischen Wirtschaftsfeldern

Die Disruptionsfähigkeit der Blockchains liegt darin begründet, dass sie diese TTPs ersetzen können. Dadurch liegt die Kontrolle über eine Transaktion nicht in der Hand von einem Akteur, sondern in der Hand von vielen (Demokratisierung). Als Folge würden etliche TTPs obsolet werden. Dank der verringerten Abhängigkeit und direkteren, effizienteren Automatismen werden Geschäftstätigkeiten vereinfacht, wo mehrere Teilnehmer beteiligt sind. Daraus wird die Entstehung von holistischen Wirtschaftsfeldern möglich. So kann ein Kunde für eine Immobilienerwerbung sich an einen Anbieter wenden, der dank der Blockchain den ganzen Prozess alleine abwickeln kann. Alle beteiligten Akteure sind miteinander verbunden und das gegenseitige Vertrauen wird durch die Fälschungssicherheit gewährleistet. Bürokratische Aufwände von Kunden um Hypotheken und notarielle Beglaubigungen entfallen. 

Potenzial für umfassenden wirtschaftlichen Wandel

Bisherige Branchensektorisierungen können durch die Auswirkungen der Blockchain umgekrempelt werden in solche Ecosystems. Gefährlich wird diese Entwicklung, wenn die Ecosystems in der Hand eines Giganten (wie Google oder Amazon) anstelle eines Konglomerats von involvierten Unternehmen liegen. Abgesehen davon aber bietet die Blockchain tatsächlich das Potenzial für einen umfassenden wirtschaftlichen Wandel. Die Frage ist bloss, ob es auch ausgeschöpft wird. 

14. December 2018, Roland Cecchetto - Blogbeitrag

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