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Berufsaussichten in der Finanzbranche 2022: Jede:r dritte Banker:in möchte gar nicht mehr ins Büro


Mehr als 70 Prozent (exakt: 72,7 Prozent) der Beschäftigten in der Finanzbranche möchten künftig bis zu 50 Prozent ihrer Arbeit von zu Hause aus erledigen. Allerdings sind sie nicht bereit, dabei eine Lohnreduktion in Kauf zu nehmen. Insgesamt stuft mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden (55,8 Prozent) die Berufsaussichten in der Finanzbranche als gut ein. Vor genau zehn Jahren war das um einiges anders.  

Homeoffice ist beliebt in der Finanzbranche. (Bild: Shutterstock.com/Creative Lab)

Die Erfahrungen im Homeoffice sind für viele Beschäftigte in der Finanzbranche so prägend geworden, dass fast jede:r dritte Bankangestellte (31,4 Prozent) künftig nur noch von zu Hause arbeiten möchte. Mit vollem Pensum ins Büro zurückzukehren, kommt praktisch für niemanden mehr in Frage. Mehr als 70 Prozent (exakt: 72,7 Prozent) der Beschäftigten in der Finanzbranche möchten künftig bis zu 50 Prozent ihrer Arbeit von zu Hause aus erledigen. Allerdings sind 85,2 Prozent der befragten Personen nicht bereit, zugunsten von Homeoffice eine Lohnreduktion in Kauf zu nehmen. 


Das sind einige Ergebnisse aus der 11. Online-Befragung zu den Berufsaussichten in der Schweizer Finanzbranche. Die repräsentative Erhebung bei insgesamt mehr als 1’100 Personen führten das Branchenportal finews.ch sowie das Swiss Finance Institute (SFI) und die Schweizer PR-Agentur Communicators in diesem Frühjahr durch. Der Elf-Jahres-Vergleich liefert interessante Rückschlüsse. 


Veränderungsbereitschaft und Sozialkompetenz gefragt

Im langfristigen Vergleich haben sich die Berufsaussichten in der Finanzbranche enorm verbessert. Stuften im Jahr 2012 nur gerade 2,1 Prozent der Befragten die Aussichten als «sehr gut» und 28,5 Prozent als «gut» ein. Heute sind es 11,5 Prozent, die sie als «sehr gut» bezeichnen und 55,8 Prozent als «gut» beschreiben. Damit ist der Prestigewert von Bankberufen trotz einiger Reputationsmängel in der Branche markant gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr stieg er leicht an.  


Die Anforderungen im Beruf sind für die meisten Banker:innen klar. Mit der fortschreitenden Digitalisierung sind IT-Kompetenzen (dies nannten 73,8 Prozent aller Befragten) und die Bereitschaft, sich kontinuierlich zu verändern (58,1 Prozent) wichtig. Interessant ist hier, dass die Veränderungsbereitschaft im vergangenen Jahr noch von 71,5 Prozent der Umfrageteilnehmenden genannt wurde. In der zunehmend komplexeren Berufswelt ist ausserdem Sozialkompetenz sehr gefragt (52,3 Prozent). Im Vorjahr waren es sogar 60,4 Prozent gewesen.


Hier bieten sich die grössten Karrierechancen

Die grössten Karrierechancen sehen die Umfrageteilnehmenden im Umgang mit digitalen Produktinnovationen (57,4 Prozent der Befragten) sowie in den Bereichen IT (57,2 Prozent) und in der Sparte Legal & Compliance (46,4 Prozent). Zudem sind zwei neue Bereiche in der Gunst der Beschäftigten deutlich gestiegen; 34 Prozent der Befragten erklärten, dass die Private-Equity-Branche in den nächsten Jahren grosse Karrierechancen bieten werde; und 31,1 Prozent sehen ein grosses Potenzial bei Family Offices.

Zum Vergleich: Im Jahr 2012 stand an erster Stelle der Bereich Legal & Compliance, dem die damals befragten Personen die grössten Berufschancen (71,7 Prozent) einräumten, gefolgt von der IT (48,1 Prozent) und dem Wealth Management/Private Banking (41 Prozent).


Jede:r fünfte Banker:in erhielt keinen Bonus

Erstmals ging die Erhebung auch der Frage nach, welche Faktoren die Karriereentwicklung behindern. Mit 43,3 Prozent an Nennungen wurden Verlagerungen von Geschäftsabteilungen ins Ausland am meisten genannt, gefolgt mit 42,4 Prozent regulatorische Veränderungen, und 40,3 Prozent der Befragten sehen neue Geschäftsmodelle in den Bereichen Fintech und DeFi als die grössten Karrierebremser. Interessant auch, dass 22 Prozent der Teilnehmenden die Konkurrenz durch Expats als grösste Behinderung ihrer Karriere sehen.


Wie aus den Umfrageergebnissen weiter hervorgeht, hat gut jede:r fünfte Befragte (20,4 Prozent) für 2021 keinen Bonus erhalten, und bei 29,1 Prozent war er gleich hoch wie 2020. Nach wie vor macht der Bonusanteil einen substanziellen Anteil des Jahreseinkommens aus. Er betrug bei 39 Prozent der Befragten 10-25 Prozent des Jahresgehalts, und bei 18,2 Prozent sogar 25-50 Prozent.  


Permanente Weiterbildung wertvoll

Überdurchschnittlich gross ist das Bewusstsein, dass die permanente Weiterbildung in der Finanzbranche wichtig ist: 45,5 Prozent der Befragten besuchen regelmässig themenspezifische Seminare, 37 Prozent öffentliche Referate und Konferenzen; 25,5 Prozent der Umfrageteilnehmenden planen einen Lehrgang an einer Hochschule (MAS, DAS, CAS) und 23,1 Prozent wollen mit prüfungsfreien Kursen weiterbilden.  



An der diesjährigen Erhebung beteiligten sich 1’100 Personen, davon 79,5 Prozent Männer und 17,9 Prozent Frauen. Keine Angaben machten 2,7 Prozent der Befragten. Davon waren 8,7 Prozent zwischen 20 und 30 Jahre alt, 31,7 Prozent zwischen 30 und 45 Jahre, 50,9 Prozent zwischen 45 und 60 Jahre sowie 8,7 Prozent über 60 Jahre. Exakt 37,9 Prozent der Befragten verfügen über einen Masterabschluss von einer Universität und 11,5 Prozent über einen Master einer Fachhochschule, während 12 Prozent haben eine Eidg. Höhere Fachprüfung. Die Umfrage findet seit 2012 jährlich statt.

Veröffentlicht am 06. Juli 2022 von Manuela Walzthöny
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